The Purge, Woche 3

Puuuh, die ersten zwei, zweieinhalb Wochen des Entrümpelns waren ziemlich wild. Das merke ich jetzt, am Ende der dritten Woche. Nun ja, ich habe viel gemacht in den zweieinhalb Wochen und bin recht tief getaucht. Und dann kam ja auch noch die Openhand Summer School, das darf ich nicht vergessen. Es war also eine Menge in Bewegung – das konnte ich auch gut merken: Es war teilweise gar nicht so einfach, sich auf die alltäglichsten Dinge zu konzentrieren! Mein Gehirn war mit der Verarbeitung der letzten Wochen so ausgelastet, dass selbst eine E-Mail zu schreiben schon eine Herausforderung darstellte.


Auch darum war die letzte, diese dritte Woche The Purge, eher langsam und ruhig, was das Entrümpeln angeht. Ich habe quasi einen Gang runtergeschaltet und weniger aussortiert. Der Drang danach war aber auch nicht ganz so stark wie die ersten Wochen. Andererseits bin ich einiges final losgeworden, das schon seit einiger Zeit auf diesen letzten Schritt gewartet hat.


Und, wie immer, habe ich einige interessante Dinge über mich gelernt. Aber fangen wir vorne an.


Eigentlich auch schon am Sonntag, Ende Woche zwei, denn da habe ich die jüngst entleerten Ordner und zwei Kissen, die schon seit langem auf ein neues Zuhause warten, bei ebay Kleinanzeigen eingestellt.


Am Montag dann schaffe ich es endlich, das Paket für momox zur Post zu bringen. Hurra, es ist weg! Den Nachmittag verbringe ich damit, meine Loseblattsammlung Rezepte zu sortieren und dann auch wirklich endlich mal abzuheften! Hurra, auch das erledigt! Und: Ein reizender junger Mann kommt und holt die Kissen ab. Dreifach Hurra!


Dienstag bin ich von den Kissen so beflügelt, dass ich auch die besagte Gästematratze fotografiere und bei ebay Kleinanzeigen einstelle. Oh, Gott, endlich! Das ist so eine Erleichterung, das endlich gemacht zu haben!


Und da ist mir dann auch das leise Stimmchen, das in mir nörgelt, dass ich mich nicht an die Reihenfolge gehalten habe, egal. Gibt es in Frau Kondos empfohlener Reihenfolge überhaupt eine Kategorie für Heimtextilien und dergleichen? Fallen die unter Haushaltsartikel oder unter diverses, was sonst noch so rumliegt?


Nächste Frage, was ist mit Möbeln? In welche Kategorie fallen die? Wann sind die dran? Also, diese Kategorien sind nicht so ganz vollständig, sie decken nicht alles ab. Haben Japaner das Problem mit Heimtextilien und Möbeln nicht?


Generell ist mir das diese Woche ganz deutlich bewusst geworden – wenn zugegebenermaßen auch erst im späteren Wochenverlauf, sorry, ich hüpfe ein wenig hin und her. Doch mir ist bewusst geworden, wie kontraproduktiv es sein kann, sich strikt an eine solche Reihenfolge zu halten. Okay, wenn ich mich recht erinnere, ist sie nur empfohlen und nicht ein Stein gemeißeltes Dogma. Aber mein Verstand hatte sich doch darauf fixiert, es genau so zu machen. Einmal genau so ausprobieren, wie Frau Kondo es sagt.


Erkenntnis dieser Woche: Damit bremse ich mich selbst aus. Diese empfohlene Reihenfolge ist ein nützliches Hilfsmittel, ja. Aber wenn ich offiziell noch beim Papier bin, mich andererseits aber total motiviert fühle, meine Ketten durchzusehen … dann bringt es doch letztendlich herzlich wenig, mich zum Papier zu zwingen, wozu ich gerade überhaupt keine Lust habe, und den ganzen schönen Schwung und Elan und die Begeisterung unter „du musst aber jetzt das und das machen“ zu begraben.


Also, zumindest scheint es mir jetzt, zu diesem Zeitpunkt, so.


Außerdem, haben wir da draußen nicht schon genug „das musst du jetzt so und so machen“? Ich finde schon. Brauche ich nicht noch mehr von – und schon gar nicht in meinem Zuhause! Ich darf, in meinen vier Wänden, das so machen, wie ich es für mich richtig fühle. So.


Sprich, ich passe die Reihenfolge für mich flexibel an: Ich entrümpele das, wozu ich mich gerade motiviert fühle und dann mache ich in der empfohlenen Reihenfolge weiter. Komme ich später erneut zu der Kategorie – wie zum Beispiel Accessoirs – kann ich prüfen, ob es hier noch mehr gibt, das entrümpelt werden möchte. Wenn ja: durchsehen. Wenn nein: weiter im Text.


Das fühlt sich gerade sehr stimmig an. Also machen wir das so. :-)


Mag sein, dass jetzt einige die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und diese Sprunghaftigkeit so gar nicht verstehen können. Ich habe sie auch lange nicht verstanden und versucht, mich in das Muster zu pressen und ordentlich und der Reihe nach und schön den Anweisungen von oben folgen. Aber das bin ich nicht, so funktioniert mein Gehirn nicht. Warum also meinen Denkapparat in ein Muster pressen, das nicht passt und es einengt, verlangsamt und behindert? Warum nicht eine Methode suchen, die für meinen Denkapparat besser passt? Auch wenn sie meinen lieben Mitmenschen verrückt und unverständlich erscheint? Hey, für mich funktioniert das!


(Ich bin nie offiziell mit ADHS diagnostiziert worden, aber nach allem, was ich in den letzten Jahren darüber lese , scheine ich doch zumindest eine milde Form zu haben. Daher auch das hin und her hüpfen in der Woche. ;-))


Sooo, in langer Schleife zurück … die Gästematratze. Sie ward bei ebay Kleinanzeigen eingestellt und ist dann am Mittwoch noch abgeholt worden. Genauso wie die leeren Ordner. Ach, ist das schön, so viel losgeworden zu sein!


Am Donnerstag widme ich mich übrigens wieder dem Papier und sortiere einen Stapel Poster, Hefter und dergleichen durch. Wieder ein Stapel mehr ins Altpapier. Und weil in dem Postersammelordner mein altes Stickeralbum steckt, gehe ich das auch direkt mal durch. Huuuh, da kann aber auch einiges von weg! Alte Werbeaufkleber und ugh, will ich die Aufkleber meiner Lehrer vom Gymnasium behalten, die mal ein Abijahrgang vor mir zur Abizeitung dazu gemacht hat? Ugh. Lehrer. Nö. Muss nicht. Weg damit!


Samstag erwische ich mich dann beflügelt, meine Kettensammlung durchzugehen. Das tue ich übrigens auch tatsächlich und das meiste landet direkt auf dem „weg damit“-Stapel. Ich bin keine Kettenträgerin. Ich mag Zeug nicht um den Hals baumeln haben. Es gibt jedoch nach wie vor einige Familienmitglieder, die mir gerne und mit Genuss Ketten schenken. Seufz. Vielen Dank und weg damit.


Den Nachmittag verbringe ich dann eifrig damit, Fotos zu machen, um die Ketten bei ebay einzustellen. Dann lerne ich noch, dass die Prägung 925 auf einer goldenen Kette bedeutet, dass es sich nicht um echtes Gold, sondern um vergoldetes Sterlingsilber handelt. Na gut. Macht ja nichts. Kette kann trotzdem zu ebay.


Scheint sie aber nicht zu wollen. Als ich vom Tisch aufstehe, um ein Lineal zu holen, mit dem ich die Länge der Kette messen kann, stoße ich mir das Knie am Tischbein. Als ich mich wieder hinsetzen will: den Knöchel am Stuhlbein. Was will mir das sagen? Ich glaube, die Kette muss auf Wiedervorlage. Ich brauche nicht noch mehr blaue Flecken.


Immerhin stelle ich abschließend noch zwei Bücher auf ebay Kleinanzeigen ein. Eigentlich wollte ich sie bei ebay selbst einstellen, aber die Seite will sich auch beim wiederholten Versuch nicht richtig aufbauen, der Login funktioniert nicht, da ich angeblich das falsche Passwort benutze (häh?) und ein Zurücksetzen des Passworts funktioniert auch nicht. Uh-huh. Dann eben nicht bei ebay.


Ja, und damit ist Woche drei rum – denn am Sonntag fällt Familie bei mir ein, da war nichts mit Entrümpeln oder einem zweiten Versuch mit Ketten-bei-ebay-einstellen. ;-)


(Immerhin: Keine neue Kette! Nur ein neues Buch ...)


Und damit starte ich in Woche vier. Neue Woche, neuer Versuch? *beäug Tischbein*

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