The Purge, Woche 15

Hallo liebe Lesende! Ja, euch meine ich - dich und dich und dich auch! Schön, dass ihr da seid. :-)


Die Zahlen der Beitragsansichten beweisen es - es gibt da draußen in den Weiten des Internets tatsächlich eine kleine Gruppe Menschen, die jede Woche mitverfolgen, was ich so mache. Das finde ich total toll. Und ob du meinen Blog als Inspiration liest oder weil es Spaß macht, anderen beim Arbeiten zuzugucken oder aus reiner Neugierde, egal. Entrümpeln ist eine Leidenschaft und geteilte Freude ist doppelte Freude. Dank, dass ich meine Freude mit dir teilen darf.


Und - ich bin auch neugierig. Wer bist du, der du das liest? Wo bist du? Magst du das mit mir teilen?


Ob hier im Kommentar oder via Kontaktformular oder E-Mail: Wenn du Kontakt aufnehmen magst, mir von dir erzählen magst, deine eigenen Erfahrungen teilen möchtest - ich freue mich über eine Nachricht von dir.


So, und jetzt auf zu dem, warum du hier bist - The Purge in der inzwischen fünfzehnten Woche!


Ja, ich bin auch ein wenig erblüfft und verstaunt - oder andersherum? - dass das schon so lange läuft. Dass ich das immer noch mache. Dass ich immer noch so viel Zeug habe, OMG, weg damit!!!


Aber der Reihe nach.


Diese Woche lässt sich zusammenfassen mit: neue Häufchen und neue Erkenntisse.


Und zuerst einmal fängt sie sehr langsam an, entrümpelungstechnisch betrachtet. Montag bis Donnerstag bin ich so beschäftigt, unter anderem mit der Webseite, dass ich keine Zeit zum Entrümpeln habe. Als ich dann Freitagmorgen ein wenig frustriert ob dieser Tatsache den Blick durch das Wohnzimmer schweifen lassen - zündet plötzlich der Funke. Prioritäten verschieben sich und ich springe auf und stürze mich auf den nächsten Korb mit Kram im Wohnzimmerregal.


Tischdecken finde ich, Tischdecken und darunter Vorhänge. Ugh, da wusste ich nicht einmal mehr, dass ich die überhaupt noch hatte. Weg damit. Was ist mit den Tischdecken? Ich betrachte jede einzelne und kann mich nicht entscheiden. Weg oder doch behalten? Einerseits - ich habe schon lange keine mehr benutzt. Andererseits - es macht eine sehr gemütliche Atmosphäre im Raum, wenn ich das tue. Und vielleicht möchte ich ja doch eines Tages noch mal ...?


Da ich mich nicht entscheiden kann, wende ich die KonMari Methode an: in die Hand nehmen, Augen schließen, in mich hineinspüren. Die Tischdecken landen so schnell auf dem Weg-damit-Stapel, dass mein Kopf gar nicht hinterherkommt. Wie, was, was ist passiert? Faszinierend, wie klar das Gefühl dazu ist - das ich vorher, beim Nachdenken, so nicht wahrgenommen hatte, nur den inneren Zwiespalt, janeinvielleicht.


Hm, wo ich das gerade schreibe ... Ich denke, wenn ich das nächste Mal diesen inneren Zwiespalt fühle, werde ich mir den mal genauer ansehen. Vielleicht - und ich bin mir sogar sehr sicher - resultiert er daraus, dass der Verstand versucht, das Gefühl zu überschreien.


Was, wenn innerer Zwiespalt gar kein Zwiespalt ist, sondern klare Ansage? Die nur durch den Radau von Konditionierung nicht durchkommt?


Da muss ich mal drüber nachdenken.


Jedenfalls interessant.


Auf die Tischdecken folgen Winteraccessoirs - Schals, Mützen, Handschuhe. Ich habe von allem überraschend viele - drei Mützen, drei Paar Handschuhe, ein halbes Dutzend Schals. Häh? Ja, okay, die Schals sind mehr Tücher und die liebe ich, da kann man sich so schön reinwickeln. Die bleiben auf jeden Fall. Aber wer braucht drei Mützen? Ich habe nur einen Kopf. Und drei Paar Handschuhe??


Naja, ich weiß, wo die herkommen. Genau wie die Sache mit den Ketten neulich - erinnerst du dich? Gewisse Familienmitglieder sind groß darin, alle Jahre wieder Mütze und Handschuhe ins Weihnachtspaket zu stecken. Immer schön zueinander passend, versteht sich. Damit man dann auch mit Jacken und Mänteln farblich und stilistisch kombinieren kann.


Nun ist meine Herangehensweise weniger modeorientiert und mehr: hauptsache warm. Ich habe überhaupt kein Problem damit, zu meiner einen Winterjacke und dem ganz warmen Wintermantel ein und dieselbe Mütze, sowie ein und dasselbe Paar Handschuhe zu tragen. Hauptsache warm.


Und so bleiben eine Mütze und ein Paar Handschuhe und der Rest wandert in die große Tasche für die AWO.


Am Samstag stürze ich mich dann, wieder recht spontan, auf die nächste Kiste im Regal, diese mit Dekoallerlei. Es ist eine unwahrscheinlich interessante Erfahrung, das zu tun und mir dabei zuzusehen, wie ich Teil um Teil auf den Weg-damit-Stapel lege. Inklusive all der Dinge, die ich bisher nicht habe loslassen können - wie die kleinen Porzellantierchen, die mal in meinem Setzkasten saßen. Den ich seit der Teenagerzeit nicht mehr habe. Die ich aber mal liebgehabt habe.


Wie die kleinen Pferdchen, die ich vor, oh, fünfundzwanzig Jahren im Sommerurlaub in Frankreich eines nach dem anderen mit meinem Schulfranzösisch selbst gekauft habe. (Je voudrais le petit chevaux dans la fenêtre, s'il vous plaît, ich weiß es noch genau.) Aufstellen wollte ich sie dann doch nicht mehr, aber loslassen ... auch nicht. Es ging ja auch nicht um die Pferdchen. Mit diesen kleinen Tierchen verbunden waren die Gefühle von damals - die Angst vor dem mürrischen Verkäufer, die Tatsache, dass ich mich doch getraut habe, meine Angst und meine Schüchternheit und meine Panik davor, mit einem echten Franzosen französisch zu sprechen und was wenn ich etwas falsch sage dann weiß er das sofort oh Gott wie peinlich, überwunden habe. Die Erfahrung, dass ich Angst und Schüchternheit und Panik überwinden kann. Und dass nichts Schlimmes passiert.


Es ging nicht um die Pferdchen. Sondern um diese Gefühle, diese Erfahrung.


Und es war sehr gut, mir das bewusst zu machen und auch zu sehen, dass ich das nicht länger festhalten muss.


Zu sehen, wie leicht es mir fiel, loszulassen.


Womit wir bei den in dieser Woche gewonnenen Erkenntnissen sind. Die erste davon - ich besitze zu viel Zeug.


Ja, immer noch. Und das Gefühl wird zunehmend stärker statt schwächer. Zu. Viel. Zeug! Ist das der homöopathische Effekt? Wird es erst einmal schlimmer, bevor es dann besser wird?


Oder ist das ein Anzeichen für etwas ganz anderes? Für eine tiefere Veränderung?


Vielleicht. Denn, die zweite Erkenntnis ist diese: Ich bin mir einer zunehmend weniger starken - also vielleicht eher einer abnehmenden - Anhänglichkeit an die Dinge bewusst. Äh, klingt verschwurbelt, sorry. Was ich meine ist, dass mein Bedürfnis, Dinge zu besitzen, abnimmt. Ich kann mein Bücherregal ansehen und ohne innere Panik darüber nachdenken, was davon noch weg kann. (Ehrlich? Das meiste. Ups.) Ich brauche einfach viele dieser Dinge nicht mehr. Was auch immer in mir sie gebraucht hat. Wozu auch immer ich sie gebraucht habe. Es ist weg.


Und mit den Dingen, die ich gebraucht habe, meine ich keinesfalls Gebrauchsgegenstände. Sondern Bücher, CDs, Krimskrams, Deko, noch mehr Bücher, Notizbücher, Möbel die schon lange keinen wirklichen Zweck mehr haben und nur noch herumstehen, weil ich sie eben habe. Solche Sachen.


Das ist schon ein bisschen spooky, ich will es nicht leugnen. Buchstäblich zu sehen, wie sehr ich mich verändere? Wie sehr mich dieser Entrümpelungsprozess verändert? Zu sehen, zu ahnen, wo es hingeht - in völliges Neuland. Zu völlig neuen Ufern.


Das klingt jetzt wahrscheinlich auch ein wenig abgehoben oder schwulstig oder ... und ich vermute, es ist eines von den Dingen, die man erfahren haben muss. Solange man nicht an sich selbst gespürt hat, was es bedeutet, sich so zu verändern - plötzlich an sich und in sich Dinge zu entdecken, von denen man niemals geahnt hat, dass sie da sind. Solange wird es eine Mango bleiben.


Äh - eine Mango?


Ja, genau.


Schon mal versucht, jemandem der noch nie eine Mango gegessen hat, den Geschmack zu beschreiben? Gar nicht so einfach. Und derjenige, der noch nie eine Mango gegessen hat, wird sich nur eine vage Vorstellung davon machen können, wie sie schmeckt. Vielleicht ist diese der Realität nahe - vielleicht überhaupt nicht. Wirklich wissen wird dieser jemand es erst, wenn er eine Mango isst. Wenn dieser jemand selbst diese Erfahrung macht.


Und vielleicht spuckt dieser jemand die Mango aus und sagt: "Bäh, igitt, wie widerlich und das hast du mir als lecker beschrieben???"


Aber auch das lehrt erst die Erfahrung.


Ah, ich werde metaphysisch. Zurück zum Entrümpeln.


Hm, viel zu sagen ist nicht mehr. Nachdem ich einige Tage damit verbracht habe, neue Häufchen zu kreieren, sitze ich am Sonntag am Rechner und erstelle ein halbes Dutzend neuer Anzeigen.


Und weg damit! :-)

10 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen