The Purge, Woche 13 und Woche 14

Es war eine Weile still auf dem Blog. Auch ich war still, mehr in mich gekehrt als aktiv im Außen. Vielleicht eine natürliche Konsequenz der hohen Aktivität in Woche 11 und 12. Auf jeden Fall haben diese beiden Wochen der Stille Erkenntnisse gebracht, die ich bei viel Aktivität wohl nie gesehen hätte.


Und daher kommen diese beiden Wochen auch wieder im Doppelpack. Für mich gehören sie innerlich ohnehin untrennbar zusammen. Die Ruhe der ersten Woche und tiefe innere Arbeit führten dazu, dass sich im Lauf der zweiten Woche die Puzzlesteinchen zusammensetzten und ein Bild ergaben.


Aber von Anfang an.


Die Woche 13 beginnt - nicht so schön. Ich fühle mich körperlich angeschlagen, fiebrig. Nein, es ist kein Corona und es ist auch kein Fieber. Das Fieberthermometer behauptet stur, ich hätte nichts. Auch sonst zeigen sich keine körperlichen Symptome für eine Virusinfektion. Die Schmerzen fühlen sich zwar körperlich an, sind es aber nicht. Den Unterschied kann ich durchaus merken.


Nun, woher auch immer es kommt, das Gefühl - ich bin jedenfalls geschafft. Da ich die Zeit und die Freiheit habe, erlaube ich es mir auch, dem Gefühl nachzugeben. Statt mich als dazu zu zwingen, zu funktionieren, verbringe ich die erste Hälfte der Woche auf dem Sofa. Ruhe mich aus.


Mag sein, das Gefühl überkam mich aus genau diesem Grund - um mich zur Ruhe zu bringen. Dazu, nicht zu tun oder zu planen, was als nächstes entrümpelt werden kann. Sondern innezuhalten und die Veränderungen der letzten beiden Wochen einsinken zu lassen, sie zu integrieren.


Immerhin gelingt es mir, meine Häufchen weiter zu verkleinern. Das Bücherhäufchen in der Küche ist verschwunden, das Bücherhäufchen im Wohnzimmer wird kleiner, die letzten aussortieren DVDs sind weg und das Textilhäufchen im Wohnzimmer schrumpft ebenfalls.


In der zweiten Wochenhälfte nehme ich an der Facilitator Development Conference teil. Zwar fühle ich mich Donnerstag immer noch völlig erschlagen, aber etwas in mir sagt mir sehr deutlich, dass ich an dieser Konferenz teilnehmen sollte. Also höre ich auf mich und tue das.


Was die Facilitator Development Conference bitte schön ist? Nun, wer sich auf meiner Webseite ein wenig umgesehen hat, der weiß, dass ich seit zweieinhalb Jahren Teil des Openhand Facilitator Programs bin. Diese Conference diente der Vertiefung der Theorie und dann die Anwendung in der Praxis. Eine Weiterbildungsmaßnahme, sozusagen.


Ungewöhnlich, mag sich manch einer jetzt denken - wenn sie sich nicht gut fühlt, warum dann freiwillig auf Weiterbildung gehen?


Wie gesagt, mein Leitstern im Innern war sehr klar, dass ich das tun sollte. Und es war auch sehr gut, dass ich es getan habe. Nicht nur, dass ich mich schon am Ende des ersten Tages sehr viel besser gefühlt habe. (Wie das eben so ist, bei Openhand events.) Sondern auch die Erkenntnisse, die ich mitgenommen habe. Zum Beispiel:


In einer Praxiseinheit geht es darum zu ergründen, wo auf dem Weg der Klient sich gerade befindet - was ist die aktuelle Lebensituation - und dann gemeinsam den nächsten Schritt zu erarbeiten. Wir üben in Partnerarbeit; mein Facilitator gibt mir zum Ende meiner "Klienten"-Einheit zwei Sätze mit: "Your life is too full. You need to find space for yourself."


Daran habe ich ein wenig zu knabbern. Denn - tue ich das nicht bereits? Geht es beim Entrümpeln denn nicht genau darum? Mein Leben von unnützem Ballast zu leeren und Raum für mich selbst zu finden?


Nun, er wird diese Worte nicht ohne Grund gesagt haben. Also ist es an mir herauzufinden, warum der Spiegel meines Außen sie mir präsentiert hat.


Und daher bleibt auch die zweite Woche, die Woche 14, eher ruhig und nach innen gekehrt. Ich horche in mich hinein, forsche dem Widerhall der Worte nach - und stelle fest, dass mein Facilitator nicht ganz Unrecht hatte. (Natürlich nicht.) Denn ja, das Entrümpeln dient dazu, Zeug los zu werden, Raum zu schaffen für Leben und Entwicklung und Veränderung. Nur, und das habe ich anscheinden wieder einmal vergessen - das Außen ist der Spiegel des Innen. Wir sind nicht getrennt von unserem Umfeld. Und alle Veränderungen in unserem Umfeld, in unserem Außen, haben ihren Widerhall in unserem Innern.


Das heißt, dass sich die Aktivität im Außen, das Entrümpeln und das Zeug loswerden, natürlich auf das Innere auswirkt. Besonders, wenn man so viel entrümpelt und konsequent an der Sache dran bleibt - dann sind auch die Auswirkungen im Innern mitunter viel und vor allen Dingen auch konstant.


Und irgendwann kommt die Seele nicht mehr mit und sagt: Stopp!


Weshalb ich in Woche 13 flach gelegen habe.


Weshalb ich mich auch nach zwei Wochen der Ruhe und intensiveren Hinwendung ans Innen sehr viel besser fühle. Meine Seele hatte Zeit, die Änderungen zu verarbeiten. Und aus der Ruhe kommt die Kraft - ich spüre bereits jetzt wieder, wie die Motivation in mir steigt, der Drang, mich auf den nächsten Punkt von Marie Kondos Liste zu stürzen und weiter zu entrümpeln.


Nun denn. Wieder etwas gelernt. Oder vielleicht eher: Es ist mir klarer, deutlicher bewusst geworden. Wie sagt man doch, man lernt nur durch die Erfahrung? Ich glaube nicht, dass ich diese Zusammenhänge so schnell noch einmal aus den Augen verlieren werde.


Und mehr noch als das - es ist nicht nur rein das Bewusstsein darüber, wie wichtig es im Prozess des Entrümpelns ist, Pausen zu machen - und nicht nur physisch, sondern auch innerlich, mental und emotional Pausen zu machen und sich die Zeit zu geben, Dinge sacken zu lassen. Sondern auch die Erkenntnis darüber, wie wichtig es ist, diesen inneren Prozess zu unterstützen. Die Erkenntis darüber, wie viel leichter der innere Prozess ist, wenn man es sich aufrichtig erlaubt, diese Pausen zu machen.


Und damit meine ich nicht, auf dem Sofa zu fläzen und dabei in Gedanken seine Liste durchzuhetzen: Hier muss ich noch und das muss ich noch und das ist noch nicht fertig. Oder sich ein schlechtes Gewissen zu machen, weil man hier faul herumliegt und doch noch so viel zu tun hat. Oder sich mies zu fühlen.


Mit Pausen meine ich auch diese innere Aktivität auszusetzen. Das ist gar nicht so einfach, wir sind es so gewöhnt, immer zu machen und zu tun und zu arbeiten. Ein Ziel zu haben und darauf hinzuarbeiten. Selbst wenn das Ziel "Entspannung" ist. Was für merkwürdige Blüten der Geist so treibt. Und doch ist es unendlich wichtig, auch diese inneren Pausen zu machen. Sich zu erlauben, herunterzufahren. Einmal nicht zu funktionieren, zu machen und zu tun - sondern zu sein.


Zu sein und zu beobachten. Das meine ich mit dem Unterstützen des inneren Prozesses. Einfach nur zu beobachten, was geschieht. Wie fühle ich mich heute? Welche Emotionen nehme ich wahr? Welche Gedanken schießen mir durch den Kopf? Und dann, tiefer noch: Was kann ich auf den Ebenen jenseits des Intellekts spüren? Wo nehme ich eine Verschiebung wahr? Wie fühlt sich das an?


Dabei jedoch nicht nach Antworten zu streben. Oder nach Lösungen für vermeintliche Probleme. Sondern schlicht wahrzunehmen, was ist. Dem inneren Prozess Aufmerksamkeit schenken - ohne Urteil, ohne Wertung, ohne Analyse. Einfach positive Aufmerksamkeit.


Spüren, was ist. Annehmen, was ist. Sich hingeben in den Fluss des Seins im Innern.


Die Integration geht so um vieles schneller.


Wie beim Wettrennen vom Hasen mit der Schildkröte: Man ist schneller, wenn man langsam macht.


Ach ja, bevor ich es vergesse: Auch in Woche 14 sind Bücherhäufchen und Textielhäufchen geschrumpft. Langsam, aber stetig. Wie die Schildkröte. ;-)

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