NEU: Die "Mehr-Raum-für-Leben" Galerie


Hurra, es ist soweit: Die "Mehr-Raum-für-Leben" Galerie geht offiziell online! 🍾 🎉


Ich war die letzten Wochen fleißig dabei, dieses neue Feature fertig zu machen und freue mich jetzt eine ganze Keksdose, die Galerie und meine Bilder mit euch teilen zu können.


Ja, es sind in der Tat alles meine Bilder. Und ich teile sie mit euch nicht nur, weil mir das Schnörkeln unglaublich viel Spaß macht und ich wie ein kleines Kind jedem meine Meisterwerke zeigen möchte. Sondern auch als Beispiel für das, was passieren kann, wenn man Raum für Leben schafft. :-)


Denn, für sich allein gesehen, kann das ein recht abstraktes Konzept sein - Raum für Leben schaffen. Wie sieht das aus? Was muss man sich darunter vorstellen? Auch der Leitspruch des Entrümpelns - wenn Altes geht ist Platz für Neues - hängt mitunter ein wenig im luftleeren Raum. Das kann alles und nichts bedeuten, letztendlich. Was genau meine ich mit "Raum für Leben schaffen?" Und was kann das Neue sein, das kommt?


Ich bin versucht, Douglas Adams zu zitieren und hier einfach eine 42 reinzusetzen. Das Leben, das Universum und der ganze Rest. Oder auch - was immer du willst.


Aber das ist immer noch abstrakt. Die Dinge werde klarer mit einem Beispiel. Also präsentiere ich euch meine Bilder - und mit ihnen, die Geschichte, die dahinter steht. Nur so als Beispiel.


Ich war eines der Kinder, das leidengeschaftlich gerne gemalt hat. Und auch viel gemalt hat. Zu viel, für die Erwachsenen in meinem Leben. Ich erinnere mich daran, wie versucht wurde, mir die Rückseite einer alten Tapetenrolle als Blatt zum Malen schmackhaft zu machen. Mein Verbrauch an Zeichenblockpapier war einfach zu hoch - zumal ich, auch daran erinnere ich mich gut, oftmals einfach einen Kringel auf das Blatt gemalt habe und das Bild als fertig beiseite gelegt habe.


Ich erinnere mich auch noch daran, wie die Erwachsenen mir sagten, dass sei so nicht richtig, da wäre ja gar nichts zu sehen auf dem Bild außer einem Schnörkel. Das Blatt sei ja gar nicht voll. Da müsse doch noch mehr drauf. Und ich solle doch immer die Blätter voll malen, das sei sonst Verschwendung.


Daher die Tapetenrolle. Die fand ich aber doof - sie fühlte sich komisch an und war nicht glatt und außerdem auch nicht weiß. Auf so etwas wollte ich nicht malen.


Wie genau es erstmal weiterging, daran erinnere ich mich nicht mehr. Aber wie die Erinnerung zeigt habe ich schon früh gelernt, dass direkter, ungefilterter Selbstausdruck - ein einziger Schnörkel auf dem Blatt - nicht richtig war. Dass auch Kreativität Regeln hat und ich nicht einfach Erschaffen kann, wie ich will, rein um der Freude am Erschaffen willen.


Später dann, ich war schon etwas älter, kam das Schmierpapier. Meine Mutter brachte eines Tages aus dem Büro einen ganzen Stapel Papier mit - Formularvordrucke, die aufgrund eines Gesetzesänderung nun nicht mehr verwendet werden konnten, da der Text nicht mehr stimmte. Massenweise Papiervernichtung. Aber meine Mutter dachte mit - denn die Rückseiten dieser Vordrucke waren leer. Und auf einmal hatte ich einen riesigen Stapel mit Papier zum Malen.


Leider hatte ich da bereits verinnerlicht, dass ungehemmte Kreativität nicht richtig ist, dass fröhlich ein Blatt nach dem anderen mit nichts als einem Schnörkel vollzumalen Verschwendung ist. Der breite, freifließende Strom meines Selbst und meines Selbstausdruckes war bereits eingeent und reglementiert worden. So hatte ich jetzt zwar viel Papier zum Malen - litt aber mit jedem Blatt Qualen darüber, was ich darauf malen sollte. Was war richtig, was war akzeptiert. Und war das Blatt auch voll genug?


Den Todesstoß erhielt der Selbstausdruck via Malen dann in der Schule - wo ich gelernt habe, dass ich es nicht kann. Im fünften Schuljahr musste ich mir von meinem Kunstlehrer sagen lassen, dass die Art wie ich male ja noch sehr kindlich sei und eigentlich sei ich für so etwas Simples schon zu alt. Und ich sei doch clever, das könne ich doch bestimmt besser. Als dann später noch Perspektive und Dreidimensionalität dazu kamen, war es mit dem Malen endgültig vorbei. Keines davon habe ich je beherrscht.


Und es waren nicht nur die schlechten Noten, die mir das Malen vermiest haben. Ich habe mich geschämt. Wer bekommt schon für ein Kunstprojekt eine vier?!?! Wie dumm und unfähig muss man sein???


Danach habe ich lange, lange Jahre keinen Stift mehr angefasst. Jedenfalls nicht, um Bilder zu malen. Kritzeleien am Rand der Vorlesungsmitschriften, das ja. Ansonsten?


Doch, es ab Momente. Wenn die Kinder gemalt haben, dann war da immer der Drang, auch zu malen. Aber was? Ich konnte doch nur Schnörkeln. Und wenn die Elfjährige besser Figuren malte als ich mit Ende zwanzig, wie peinlich war das denn?


Dennoch kam der Wunsch zu malen im Lauf der folgenden Jahr immer mal wieder hoch. Aber immer saß ich vor dem weißen Blatt und wand mich innerlich, denn was sollte ich bloß malen? Einen Baum? Ein Tier? Das konnte ich doch alles nicht. Abstraktes? Aber wie? Und musste das nicht eine tiefere Bedeutung haben?


Und einfach drauflos kritzeln, das ging auch nicht, das hatte ich ja früh gelernt.


Heute stimmt es mich traurig, wenn ich daran denke - da saß die fertig studierte Magistra Artium vor einem weißen Blatt und wollte so gerne, spürte den Drang nach kreativem Selbstausdruck - und in ihr kauerte eine Vierjährige, der Körper fest angespannt, um nur ja diesen kreativen Fluss nicht rauszulassen, denn das gab Ärger, das war Papierverschwendung.


Vor etwa fünf Jahren dann hatte ich die Faxen dicke - ich wollte malen und wenn ich keine Figuren malen konnte, dann eben ausmalen. So besorgte ich mir ein Mandala-Ausmalbuch für Kindergartenkinder - schöne, schlichte Muster, die ich ausmalen konnte, ohne viel nachzudenken. Perfekt.


Dann entdeckte ich letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse an einem Stand in Halle 3, an dem Künstlerbedarf für das Malen von Mangas und Comics ausgestellt wurde, die ecoline Brush Pens. Sie hatten einen ganzen Regenbogen davon - immer fünf Stifte einer Farbe in einem Paket. Tagelang bin ich immer wieder um diesen Stand herumgeschlichen. Bis ich am Ende nachgegeben habe und für den nicht ganz geringen Preis von 12,50 € das Paket mit den gelben Stiften erwarb. So zum Ausprobieren.


In meinem Malbuch waren die Brush Pens auch wunderbar und die Art, wie die verschiedenen Farbtöne miteinander harmonierten, fand ich faszinierend. (Ich habe kein Auge für Farben. Nope.)


Das Jahr 2020 begann. Mein Bürojob endete. Dann kamen Corona und der Lockdown. Wie viele andere auch, habe ich die Zeit für ein erstes Ausmisten und Aufräumen genutzt. Mit einem Mal war da ganz viel Platz in meinem Leben. Platz und Stille. Etwas begann, sich zu bewegen. Ich liebäugelte immer wieder mit dem Rest der Brush Pens. Auf der einen Seite - sie sind toll und ich finde den Regenbogen so schön! Auf der anderen Seite - nicht gerade billig und ich male doch nicht, wofür will ich sie denn haben?


Eines Tages habe ich sie mir doch bestellt. Sie kamen auch recht schnell und dann lag er da, der Regenbogen, vor mir ausgebreitet in neun Packs mit Stiften. Und mit der Ankunft des Pakets begann eine neue Reise. Denn nachdem ich den Regenbogen gebührlich bewundert hatte, wollte ich die Stifte doch auch ausprobieren. Ich holte mir den großen Zeichenblock und schnörkelte drauf los - einfach, um die Farben zu sehen und wie sie zueinander passen. Das war lustig. Nachdem ich die Rottöne durch hatte, kam ein zweites Blatt dran für Blau- und Grüntöne. Und dann ein drittes Blatt, auf dem ich wild einfach ALLE Farben ausprobiert habe.


Das sind Squiggles the first, Squiggles the second und Squiggles the third.


Sie haben Spaß gemacht. Wirklich richtig und echt und ganz einfach Spaß. Da war kein Nachdenken und kein sich innerlich Winden, ob es denn so auch richtig ist. Diese Bilder flossen spontan und natürlich aus mir heraus.


Wow. Was für eine Erfahrung!


Die dadurch noch gesteigert wurde, dass alle, denen ich diese Bilder gezeigt haben, positiv reagierten. Bis hin zu "I want those on my wall!"


Was für ein Geschenk - da war jemand, für den mein freier, ungehemmter Selbstausdruck so viel wert war, dass sie ihn sich an die Wand hängen wollte.


So genährt sprudelte die Kreativität. Und weil ich gelernt habe, der Freude zu folgen und Dinge zu tun, die dieses Gefühl verstärken, habe ich mich immer wieder hingesetzt und gemalt. Ausprobiert. Nicht mehr ganz so frei wie bei den ersten Bildern. Das Gefühl der Hemmung, der Gedanke "Du musst doch etwas Richtiges malen!" begleiteten jedes Bild.


Bis ich mir eines Tages meine Reaktion auf das Wort "malen" näher angesehen habe. "Malen" und "Zeichnen", beides Worte, die für mich ein unwahrscheinliches Gewicht haben. Dank Kunstunterricht schwingt in beiden Wörtern Enge mit, Regeln, so-ist-es-nicht-richtig, das-kannst-du-besser, schlechte Noten, Scham.


Okay, dachte ich bei mir. Wie ist es denn, wenn ich ein anderes Wort verwende für das, was ich tue? Wenn ich es nicht "malen" nenne, sondern ... schnörkeln?


Mit dem Wort fiel das Gewicht von meinen Schultern. Der Druck war weg, etwas Figürliches malen zu müssen, etwas Richtiges. Die Hemmung und das Gefühl, es nicht zu können, schwanden. Schnörkeln, das ist Leichtigkeit und Freiheit und einfach machen, nach Lust und Laune drauflos pinseln, wie es sich richtig anfühlt.


Wie damals der einzelne Schnörkel auf einem weißen Blatt Papier.


Mit dem neuen Wort intensivierte sich die Erfahrung weiter. Jedes dieser Bilder erfüllt mich mit so viel Freude. Und je mehr Aufmerksamkeit ich dem Gefühl widme, desto größer wird nicht nur die Freude, sondern desto stärker werden auch die Bilder. Einige von ihnen tragen eine Energie in sich, die ich beim Ansehen spüren kann.


Und, ganz aufrichtig: Ich finde sie toll.


Daher möchte ich sie teilen. Die Bilder, die Freude, die Energie, die in ihnen steckt - und das Beispiel für das, was passieren kann, wenn man Raum in seinem Leben schafft.


Damit meine ich nicht das Entdecken eines neuen Hobbys, wobei auch das natürlich eintreten kann. Damit meine ich nicht einmal Kreativität oder das Entstehen einer neuen Form des Selbstausdruck, wobei beides ganz fantastisch ist.


Mit "das kann passieren" meine ich den befreiten Fluss der Seele, ihre Gegenwärtigkeit im alltäglichen Leben. Je mehr Aufmerksamkeit du ihr widmest indem du dich mit Dingen beschäftigst, die dir Freude machen, desto lauter kannst du sie hören. Je mehr du ihr zuhörst, desto freier, freudiger und erfüllter wird dein Leben sein. Denn wenn du mit der Seele fließt - dann bist du ganz DU. Authentisch. Erfüllt. Glücklich.


Und das ist es, was ich meine, wenn ich sage: Schau, das kann passieren, wenn du Raum für Leben schaffst.

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