Conscious Clutter Clearing in der Praxis - mal ein Beispiel

Okay, du hast dir jetzt alle Texte zum Bewussten Entrümpeln durchgelesen. Aber irgendwie kannst du dir darunter immer noch nicht richtig etwas vorstellen. Wie sieht das denn aus, in der Praxis? Wie genau muss man sich das vorstellen? Hier also ein Beispiel, wie es funktionieren kann (in mehr als einer Hinsicht).


Dieses Beispiel stammt aus der Anfangszeit meiner "Praxis" und passenderweise ist es ein Beispiel, wie Facilitation im Falle des Stolpersteins Nummer eins "Die Vorbereitung" aussehen kann. Und warum dieser erste Schritt, die eigene Motivation für das Entrümpeln zu kennen, so ungemein wichtig ist. Also los:


Ich befinde mich im Gespräch mit Elsa. Nein, so heißt sie nicht, aber wir wollen sie hier so nennen. Ich habe gerade Marie Kondos Buch gelesen und bin hellauf begeistert, von dem Buch im allgemeinen und von der Aufmerksamkeit, die sie ihrem ersten Schritt widmet, im besonderen. Gerade im Hinblick auf bewusstes Leben und Handeln - Stichworrt und/oder Modewort Achtsamkeit - gefällt mir ihr Rat, statt in Aktionismus zu verfallen und blind mit dem Entrümpeln loszulegen, sich erst einmal hinzusetzen und seiner eigenen Motivation auf die Spur zu kommen. Ziele definieren - im Geschäftsleben völlig normal, aber anscheinend beim Entrümpeln nicht.


So jedenfalls sieht Elsas Reaktion aus, als ich ihr von diesem ersten Schritt erzähle. An ihrer gerunzelten Stirn und dem zweifelnden Blick kann ich sehen, dass ihr nicht einleuchtet, warum das wichtig sein soll.


"Ja, aber man muss doch nur die Motivation finden, mal anzufangen", meint sie. "Sich motivieren, loszulegen!"


Ich schüttele den Kopf. "Das ist hier nicht gemeint. Es geht darum, deine Motivation für das Entrümpeln herauszufinden. Nicht den Antrieb finden loszulegen, sondern warum du überhaupt loslegen willst."


Sie sieht immer noch skeptisch aus. All das Überlegen und in sich gehen, viel zu kompliziert, wie nervig, davon wird das Zeug nicht weniger, sagt ihr Gesichtsausdruck.


"Es geht um darum herauszufinden, wo du hin willst, wie das Ende aussehen soll", versuche ich es erneut, kann aber sehen, dass meine Worte nichts bewirken. Hier ist direkteres Vorgehen gefragt, das spüre ich. Ich sehe ihr direkt und fest in die Augen und frage sie, mit ungewohntem Nachdruck: "Warum willst du entrümpeln? Warum willst du das Zeug loswerden?"


Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Weil es mir alles zu viel ist. Es ist eine solche Last!"


Für den Bruchteil einer Sekunde huscht ein überraschter Ausdruck durch Elsas Augen. So als würde sie sich fragen: "Wo kam das denn jetzt gerade her?"


Im nächsten Moment wird ihre Miene weicher, als sich beinahe unsichtbar kleine Muskeln entspannen. Ihre Augen werden heller. Es hat Klick gemacht.


Das war es, was notwendig gewesen war. Die Erkenntnis, dass ihr ihr Besitz zur Last geworden war. Aber nicht nur die Erkenntis, sondern auch, das Wort laut auszusprechen und es sich sagen zu hören: Last.


Das war sie, ihre Motivation. Sich von der Last zu befreien. Hat es gewirkt? Nun, inzwischen hat Elsa das ihr viel zu große Haus verkauft und ist in eine kleinere Wohnung gezogen, wobei sie auch fleißig entrümpelt hat. Und es ist noch gar nicht so lange her, da erzählte sie mir freudestrahlend, wie wohl sie sich in ihrer neuen Wohnung fühlt, wie gerne sie nach Hause kommt und wie leicht sie sich fühlt, wenn sie über die Schwelle tritt.


Wenn das kein Erfolg ist!


Ja, so kann eine scheinbar unscheinbare Frage helfen, diese Hürde zu überwinden. :-)



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